Verbraucherschützer kritisieren Anlage-Beratung

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat fast 300 Beratungsgespräche für Anlageberatungen ausgewertet – mit fatalem Ergebnis: Trotz der Lehmann-Pleite vor einigen Jahren und der massiven Kritik an der Finanzbranche, ja sogar trotz neuer Gesetze hat sich die Qualität der Anlageberatungsgespräche kaum verbessert. Bei der Stichprobe waren 42% der Finanzprodukte, die den Verbrauchern in der Vergangenheit empfohlen wurden, ungeeignet – vor allem wegen der zu hohen Kosten. Bei der Überprüfung neu angebotener Verträge bestanden sogar 90% nicht, auch hier waren die meisten schlicht zu teuer. Aber auch ein zu hohes Risiko oder zu geringe Renditen führten zur Abwertung durch die Verbraucherschützer.

Dorothea Mohn vom vzbv kritisiert, dass Finanzberater heute “in Wirklichkeit keine Berater, sondern schlicht Verkäufer” seien. Dies führt sie in erster Linie auf die Provisionen zurück, die sie für die Vermittlung der Finanzprodukte erhalten. Hinzu kommt, dass viele Verbraucher die komplizierten Geldanlagen oft selbst gar nicht beurteilen könnten und sich deshalb auf die Empfehlung des Finanzberaters verlassen (müssen). Der vzbv fordert deshalb von der Bundesregierung, die Finanzberatung grundlegend zu reformieren. Vor allem müsste die Beratung der Anleger strikt vom Verkauf der Geldanlagen getrennt werden, so eine der Hauptforderungen. Außerdem sollte die Ausbildung der Berater verbessert werden. Schließlich setzen sich die Verbraucherschützer für einen staatlich geführten Altersvorsorge-Fonds ein, wie es ihn etwa in Schweden gibt.

Die Finanzbranche weist die Kritik der Verbraucherschützer vehement zurück. So argumentiert der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV), die “Qualität einer Beratung dürfe nicht nur an den Kosten festgemacht werden”. Außerdem sei es durchaus im Interesse der Berater, den Kunden ein Produkt zu empfehlen, mit dem diese zufrieden sind, weil die Berater bei einer Stornierung selbst Provisionsanteile verlieren. Auch der Spitzenverband der Banken sieht keinen Handlungsbedarf, denn “Deutsche Banken und Sparkassen legen größten Wert auf eine faire, transparente und an den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtete Anlageberatung”, heißt es dort.

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