Zusatzbetrag der gesetzlichen Krankenversicherung sinkt

Im kommenden Jahr sinkt der durchschnittliche Zusatzbetrag für die gesetzliche Krankenversicherung auf ein Prozent. Das, was die Versicherten freut, bereitet den Kassen Sorgen, denn ab 2018 nehmen die Unterschiede zwischen den Krankenkassen wohl deutlich zu. Groß sind die Ersparnisse jedoch nicht. Wer rund 3000 Euro verdient, der kann mit einem geringeren Zusatzbetrag für seine Krankenkasse im Monat nur knapp drei Euro sparen.

Den Krankenkassen geht es gut

Das Bundesgesundheitsministerium hat beschlossen, den Zusatzbetrag der gesetzlichen Krankenkassen von jetzt 1,1 Prozent auf zukünftig ein Prozent zu senken. Die Begründung für dieses kleine „Geschenk“ an die gesetzlich Versicherten ist die sehr gute finanzielle Lage der Krankenkassen. Die Krankenkassen haben wieder mehr Spielraum auch für hochwertige Leistungen und das bei attraktiven Beiträgen, kommentierte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die Entscheidung seines Ministeriums. Im Schnitt zahlen damit die gesetzlich Krankenversicherten im kommenden Jahr 8,3 Prozent für die Krankenkasse. Die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes mit 7,3 Prozent übernehmen die Arbeitgeber.

Rücklagen für schwierige Zeiten

Der sogenannte Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenkassen sieht die Einnahmen für das Jahr 2018 bei rund 222 Milliarden Euro, Die Ausgaben liegen nach Schätzungen hingegen bei 236 Milliarden Euro. Da die Krankenkassen Rücklagen haben, die eigentlich für schwierige Zeiten gedacht sind, können sie den Differenzbetrag ausgleichen. Die Kassen haben die Entscheidung des Gesundheitsministers scharf kritisiert. Sie haben Angst, dass die Rücklagen nicht einmal die Mehrausgaben für einen einzigen Monat decken.

Mehr Unterschiede

Der Beitragssatz ist durchschnittlich nur eine Prognosegröße, die aus den Einnahmen und den Ausgaben der 112 Krankenkassen geschätzt wird. Ob der Zusatzbetrag jedoch tatsächlich so hoch ausfällt, darüber entscheidet jede Krankenkasse selbst, denn nicht alle Kassen befinden sich in der gleichen wirtschaftlichen Lage. Mit dem gesenkten Beitragssatz dürften die Unterschiede noch größer ausfallen. Aktuell erheben die Kassen zusätzliche Beiträge, die sich zwischen 0,3 und 1,8 Prozent bewegen.

Die FDP will den Zusatzbeitrag abschaffen

In den Koalitionsgesprächen zeigte sich die FDP offen für die generelle Abschaffung des Zusatzbetrags. Sie ist zudem dafür, dass sich die Arbeitgeber an den Kosten für die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen, auch in Hinsicht auf die stetig steigenden Kosten. Dem Deutschen Gewerkschaftsbund geht das aber noch nicht weit genug. Der DGB fordert einmal mehr die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung.

Ob die minimale Senkung des Zusatzbetrages bei den gesetzlich Versicherten für große Freude sorgt, ist fraglich, aber es ist immerhin ein guter Ansatz.

Bild: @ depositphotos.com / TunedIn61

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Ulrike