Sind die Fitnessdaten-Tarife nur ein Werbegag?

Seit gut einem Jahr ist die Generali Versicherung mit speziellen Tarifen für eine gesunde Lebensweise auf dem Markt. Bis jetzt gibt es allerdings noch keine Bilanz und daher ist die Skepsis gegenüber der Aussagekraft der Daten sehr groß. Die Generali wirbt damit, dass die Prämie für die Risikolebensversicherung oder die Berufsunfähigkeitsversicherung um bis zu 16 % sinken kann. Das Interesse der Kunden an diesem neuen Tarif ist zwar groß, aber exakte Daten möchte das Unternehmen erst am Ende des Jahres nennen.

Ein Novum auf dem Versicherungsmarkt

Fitnessarmbänder und Fitnessapps sind im Trend. Sie messen die gelaufenen Schritte beim Joggen, errechnen die Zahl der verbrauchten Kalorien und liefern jede Menge individuelle Daten über den Träger. Die Armbänder und auch die Apps, die diese Flut an Daten sammeln, können den Versicherungsmarkt komplett verändern. Welche Folgen das jedoch für die Verbraucher hat, ist noch nicht abzusehen. Die Generali wagte es als erster Versicherer, eine gesunde Lebensweise in eine Art Belohnungssystem einzubinden. Zunächst wird der Gesundheitszustand des Versicherten ermittelt, bevor es dann beim Joggen oder beim Kauf von gesunden Lebensmitteln Punkte für das Rabatt-Konto gibt. Alle relevanten Daten werden via Fitnessarmband oder durch den Computer an der Supermarktkasse an die Versicherung übertragen.

Sind die Daten verlässlich?

Bisher gibt es noch keine Nachahmer für das neue Versicherungsmodell der Generali. Die Versicherungen brauchen nach eigenen Angaben eine stabile und langfristige Datenbasis, um ein ähnliches Prämienmodell anzubieten. Der Zusammenhang zwischen dem Verhalten der Versicherten und den Auswirkungen von bestimmten Risiken muss sicher sein. Wer vielleicht 15.000 Schritte läuft, der muss nachweislich auch ein geringeres Sterberisiko haben, als derjenige, der nicht joggt. Diese Daten fehlen, aber davon hängt die weitere Entwicklung ab. Mit einem Fitness-Tarif werden zudem die Falschen angesprochen. Wer den Tarif wählt, der lebt ohnehin schon sehr gesundheitsbewusst. Fraglich ist zudem, ob der Tarif auch Sportmuffel motiviert, mehr für die Gesundheit zu tun. Was passiert, wenn viele, die in den Genuss des Bonusprogramms kommen möchten, ihr Verhalten nicht ändern? Auch diese Frage stellt sich im Zusammenhang mit der Nutzung von Fitnessarmbändern und Bonus-System. Die Folge können große Steigerungen bei den Beiträgen sein.

Eher ein Spielzeug

Aus der Sicht der Versicherungsbranche sind Fitnessarmbänder eher ein Spielzeug. So kann es zum Beispiel passieren, dass der Hund das Armband trägt, um die notwendige Schrittzahl für das Bonusprogramm zu erlaufen.

Bild: © Depositphotos.com / Syda_Productions

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Ulrike