Schlüssel geklaut – wann zahlt die Hausratversicherung?

Es ist der Albtraum schlechthin: Da wird der Schlüsselbund geklaut und der Dieb räumt anschließend die Wohnung aus, ohne dabei einbrechen zu müssen. Normalerweise sollte dieser Fall kein Problem für die Hausratversicherung sein, denn sie kommt dafür auf, wenn in der Wohnung oder im Haus Einbrecher am Werk waren. Allerdings können Versicherte auch eine böse Überraschung erleben, und zwar immer dann, wenn sie sich nach Ansicht der Versicherung fahrlässig verhalten haben.

Ein folgenschwerer Einkaufsbummel

Das Oberlandesgericht im westfälischen Hamm musste sich jetzt mit einem Fall befassen, bei dem eine Frau gegen ihre Hausratversicherung geklagt hat, weil diese eine Zahlung verweigert hatte. Vorausgegangen war ein etwas kurioser Diebstahl. Die Klägerin war mit dem Rad unterwegs und hatte ihre Handtasche in einem Korb liegen, der vorne am Rad festgemacht war. In der Handtasche befanden sich neben der Geldbörse und den Ausweispapieren auch die Hausschlüssel. Als die Dame ihr Rad samt Korb und Handtasche für einen Augenblick aus den Augen ließ, nutzte ein Dieb die Gelegenheit und stahl die Handtasche. Die Dame meldete den Diebstahl zwar unverzüglich der Polizei, aber der Dieb war schneller und entwendete aus der Wohnung Gegenstände im Wert von über 17.000 Euro.

Die Hausratversicherung sollte zahlen

Den Schaden, der durch den Diebstahl entstanden ist, meldete die Frau ihrer Hausratversicherung und erlebte daraufhin eine unangenehme Überraschung. Die Versicherung stellte zwar nicht in Abrede, dass die Dame gegen Schaden dieser Art versichert ist, aber der Umstand, dass der Diebstahl des Schlüssels auf Fahrlässigkeit zurückzuführen ist, führte dazu, die Schadenregulierung zu verweigern. Die Handtasche, so die Versicherung, lag offen und für jedermann zugänglich in einem Korb und das ist fahrlässig. Da sich die Versicherung und die Dame nicht einigen konnten, ging es vor Gericht.

So urteilte das Gericht

Die Klägerin erlitt vor dem Oberlandesgericht in Hamm eine derbe Niederlage, denn die Richter gaben der Versicherung recht. Es handelte sich nach ihrer Ansicht nicht um einen klassischen Fall von Diebstahl, da eine Fahrlässigkeit vorausgegangen war. Der Dieb hätte nicht so einfach in die Wohnung eindringen können, wenn er keinen Schlüssel gehabt hätte. Den Einwand der Klägerin, dass sie das Fahrrad immer in ihrer Nähe hatte, ließen die Richter nicht gelten. Sie hätte ihre Handtasche mit Papieren und Schlüssel am Körper tragen müssen, um einen Diebstahl zu verhindern.

Bild: © Depositphotos.com / logoff

Das könnte sie auch interessieren:

    Diebstahl bei offener Haustür
    Wenn ein Haubesitzer sein Haustür offen stehen lässt und ein Dieb den Fahrzeugschlüssel aus der Wohnung klaut und im Anschluss direkt das ganze Fahrzeug, so sollte man meinen, dass dies auf jedem Fall grobe Fahrlässigkeit von Besitzer ist. Dies ist aber nicht in jedem Fall so.
    Dies hat ein Urteil vor dem Oberlandesgericht in Karlsruhe

    Einbruchdiebstahl ohne Gewalt
    Wenn im Fall eines Einbruchdiebstahls die Hausratversicherung zahlen soll, muss dieser beweisbar sein. Ist der Dieb z. B. gewaltlos in die Wohnung eingedrungen und hat auch ansonsten keine Spuren hinterlassen, so zahlt die Hausratversicherung nicht. Dies hat vor kurzem das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe entschieden.
    In dem entsprechenden Fall hatte eine Frau ihrer Hausratversicherung einen Diebstahl

    OLG: Hamm Kasko-Versicherung muss zahlen
    Normalerweise kommt eine Versicherung nicht für den Diebstahl eines Autos auf, wenn der Fahrer Schlüssel und Papiere im Wagen zurücklässt, in diesem Fall denn dann handelt er grob fahrlässig.
    Anders entschied das Oberlandesgericht Hamm. Der Wagenbesitzer habe sein Auto auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums abgestellt. Die Ersatzschlüssel und Papiere hätten sich im verschlossenen Kofferraum befunden. Ein

    PKW auf der Tankstelle gestohlen
    Ein Diebstahl des Autos auf der Tankstelle in der kurzen Zeit wo der Fahrer zum Bezahlen an der Kasse ist, gehört sicherlich zu dem dreistesten Diebstählen, die es geben kann. Wenn der Fahrer das Fahrzeug nicht abgeschlossen hat und zudem der Schlüssel im Zündschloss steckt ist er allerdings aber auch extrem einfach. Wie ein Experte

    Weniger Entschädigung bei gestohlenem Autoschlüssel
    Wenn ein Auto oder Motorrad gestohlen wurde und der Dieb im Besitz des dazugehörigen Schlüssels war, wertet die Kfz-Versicherung dies als grob fahrlässiges Verhalten von dem Versicherten. In diesem Fall wird die Entschädigung des Versicherten zumindest stark gekürzt oder aber ganz gestrichen. Darauf weist das Onlineportal aspect unter Berufung auf den ADAC hin.
    ADAC-Fachmann Maximilian

Ulrike