Lebensversicherer auf dem Prüfstand – nicht alle haben bestanden

In regelmäßigen Abständen nimmt der Bund der Versicherten die deutschen Anbieter von Lebensversicherungen ein wenig genauer unter die Lupe und die Ergebnisse der neusten Prüfung sind alles andere als gut. Bewertet wurden die Versicherer nach ihrer Solvenz, nach der Gewinnerwartung und auch nach der Transparenz ihrer Verträge. Erschreckend ist, dass nur ein kleiner Bruchteil, genauer 17 von 84 Lebensversicherern, mit einem „gut“ abgeschnitten haben.

Eine schlechte Qualität

Wenn es um die Solvenz der deutschen Lebensversicherer geht, dann sieht es nicht allzu gut aus. Der Bund der Versicherten, der die Untersuchung zusammen mit der Research Consult GmbH durchgeführt hat, bemängelt vor allem die sehr schlechte Qualität und die mangelnde Transparenz in den Solvenzberichten der Versicherungen. Es waren nur 17 von 84 Unternehmen, die einen Bericht über ihre Finanzen vorlegen konnten, der nachvollziehbar, leicht verständlich und auch umfassend war. Was auffällt, es war kein einziges sogenanntes „Run-Off-Unternehmen“ dabei. Besonders bei diesen Versicherungen, die keine neuen Verträge verkaufen, sondern nur alte Verträge abwickeln, müssen sich die Versicherten Sorgen machen, ob sie am Ende tatsächlich auch die versprochenen Leistungen bekommen.

Welche Mängel gab es noch?

Für die Untersuchung der Lebensversicherer spielte auch das Eigenkapital der Unternehmen eine wichtige Rolle, ebenso wie die Transparenz der Verträge, die Gewinnerwartung sowie die Kapitalanlagen und der Umgang mit Überschüssen. Im Fokus stand jedoch die Solvenz und damit die große Frage, ob die Versicherer auch über ausreichend finanzielle Mittel verfügen. Das Ergebnis ist besorgniserregend, denn 23 der untersuchten Versicherungen sind auf sogenannte Übergangsregeln angewiesen, damit sie überhaupt ihren Solvenzanforderungen nachkommen können. Sorgen machen auch die Gewinnerwartungen, denn 13 der Versicherungen rechnen in der Zukunft mit Verlusten, 40 weitere haben große Probleme mit einer Gewinnerwartung, die aus der Sicht der Verbraucher auch akzeptabel ist.

Die Auswertungen im Einzelnen

Mit einem „gut“ für die Transparenz können sich nur zwei Versicherungen schmücken, und zwar die Alte Leipziger und die Öffentliche Lebensversicherung Berlin-Brandenburg. Schlecht schnitten die Debeka, die Württembergische und die Karlsruher Lebensversicherung ab. Im Bereich Solvenz und Gewinnerwartung konnten die Zurich Deutscher Herold LV AG, die Ideal LV a. G., die Öffentliche LV Sachsen-Anhalt AöR und die LVM LV AG mit einem guten Ergebnis überzeugen. Lebensversicherer, die ihre Kunden nur intransparent informieren, verstoßen gegen eines der drei Grundprinzipien des neuen Aufsichtsrechts, hier ist besonders die Debeka ein sehr schlechtes Beispiel.

Bild: © Depositphotos.com / DragonImages

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Ulrike