Gutachten muss auch bei Bagatellschäden gezahlt werden

Als Laie kann man die Höhe eines Unfallschadens nur schwer einschätzen. Das gilt für große wie kleine Unfälle gleichermaßen. Professionelle Gutachter können den Schaden dagegen problemlos beziffern, deshalb dürfen geschädigte Autofahrer nach einem Unfall – auf Kosten des Unfallverursachers – einen Gutachter mit der Ermittlung der Schadenshöhe beauftragen. Nach einem aktuellen Urteil des Landgerichts Darmstadt gilt dies auch für Schäden, die sich bei der Begutachtung als Bagatellschäden herausstellen (Az.: 6 S 34/13).

Im konkreten Fall bewertete ein Sachverständige den Schaden an dem Fahrzeug eines Unfallopfers mit 400 Euro. Für sein Gutachten verlangte er von der gegnerischen Versicherung die Summe von 325 Euro, die sich die Versicherung weigerte zu zahlen. Begründung: Das Unfallopfer habe eine Schadensminderungspflicht und mit der Beauftragung eines Gutachters sei angesichts des kleinen Schadens dagegen verstoßen worden.

Das Landgericht Darmstadt folgte dieser Begründung nicht, sondern entschied, dass ein Geschädigter immer (und demzufolge also auch bei kleinen Schäden) dazu berechtigt ist, einen Gutachter zu beauftragen und nicht nur bei Verdacht auf Totalschaden. Dem Unfallopfer sei das Risiko nicht zuzumuten, dass die Versicherung des Unfallgegners einen Kostenvoranschlag der Werkstatt ohne Sachverständigenurteil als unzureichend ablehnt. Dem Argument, mit der Beauftragung eines Gutachtens gegen die Schadensminderungspflicht zu verstoßen, stimmte das Gericht ebenfalls nicht zu.

Das könnte sie auch interessieren:

    Kfz-Versicherung muss auch teure Gutachten zahlen
    Nach einem Urteil des Nürnberger Amtsgerichts muss eine Kfz-Versicherung auch dann bei alleiniger Haftung ihres Kunden die Gutachterkosten der gegnerischen Seite bezahlen, wenn diese über dem Durchschnittspreis liegen (Az.: 31 C 8164/10). Darauf weist die Deutsche Anwaltshotline hin.
    Im konkreten Fall hatte ein vom Unfallopfer beauftragtes Sachverständigenbüro ein Gutachten erstellt, das es der gegnerischen Kfz-Versicherung mit

    Tatsächlicher Verkaufspreis statt ermittelter Restwert
    Wer nach einem Totalschaden sein Auto zu einem höheren Preis verkauft als der Gutachter als Restwert ermittelt hat, muss hinnehmen, dass die Kfz-Versicherung bei der Schadensregulierung auch diesen höheren Preis ansetzt. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) im Juni dieses Jahres (Az.: VI ZR 232/09).
    Im konkreten Fall wurde das Auto eines Versicherten nach einem schuldlosen Unfall

    Urteil: Restwertermittlung muss zeitnah erfolgen
    Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) muss ein schuldlos in einen Verkehrsunfall verwickelter Autofahrer keine Internetrecherche betreiben, um den Restwert seines Fahrzeugs zu ermitteln (Az.: VI ZR 205/08). Die Beauftragung eines Sachverständigen reicht aus, wenn dieser die Aufgabe übernimmt und dabei die Angebote von drei in der unmittelbaren Region tätigen Händler berücksichtigt.
    Der Unfallteilnehmer muss nur

    Kfz-Versicherung muss Unfall-Sachverständigen bezahlen
    Nach einem Urteil des Amtsgerichts München muss die Versicherung des Unfallverursachers die Kosten für einen Sachverständigen bezahlen, der von der gegnerischen Seite beauftragt wurde. Ob das Honorar des Sachverständigen angemessen oder ortsüblich ist, spielt dabei keine Rolle. Der Geschädigte darf dem Gericht zufolge die Erstattung der Kosten verlangen, die ein wirtschaftlich vernünftiger Mensch in der

    Achtung bei Unfallersatztarif
    Der Auto- und Reiseclub Deutschland weißt darauf hin, dass Unfallgeschädigte gem. eines aktuellen Urteils des BGH dazu verpflichtet werden können, statt eines Unfallersatztarifes einen Normaltarif für einen Mietwagen zu nehmen.

    In dem verhandelten Fall hatte der Kläger ein Fahrzeug zum Unfallersatztraif von EURO 1.062 genommen, obwohl die Autovermietung ihm auch einen günstigeren Normaltarif angeboten hatte. Er