Studie: Kündigung von Lebensversicherungen kostet Milliarden

Im Auftrag der Verbraucherzentrale Hamburg hat die Universität Bamberg eine Studie durchgeführt, die untersuchen soll, wie hoch der Verlust durch vorzeitige Kündigungen von privaten Renten- und Kapitallebensversicherungen ist. Auf der Basis von 1115 Personen, die sich wegen ihrer gekündigter Verträge an die Verbraucherzentrale Hamburg gewandt haben, wurden die Verluste berechnet. Dabei wurden auch die Zahlen des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft berücksichtigt.

Es zeigte sich, dass der sogenannte Rückkaufswert oft deutlich niedriger war als die Einzahlungen. Die Hochrechnung ergab, dass in den Jahren 2001 bis 2010 eine Stornoquote von 6% vorlag und dass diese mit einem Verlust von 160 Milliarden Euro einherging. Das entspricht einem jährlichen Verlust von 16 Milliarden Euro.

Die Verbraucherzentrale hat die Erfahrung gemacht, dass eine vorzeitige Kündigung eines Anlagevertrags, der eigentlich auf Jahrzehnte ausgerichtet ist, keineswegs die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel ist. Die Gründe für die Kündigung sind vielfältig: Arbeitslosigkeit, Existenzgründung, falsche Beratung, Immobilienerwerb, Krankheit, Scheidung oder schlicht die Erkenntnis, dass der unterschriebene Vertrag nicht gut war.

Für Gerd Billen, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), ist dieses Ergebnis ein Zeichen für „dramatische Missstände am Finanzmarkt und deren milliardenschwere Folgen“. Er fordert eine staatliche Finanzaufsicht mit dem Bestreben, den Verbraucher zu schützen sowie eine systematische Marktbeobachtung durch einen Finanzmarktwächter. So könnten „falsche Anreize, unfaire Vertriebsmethoden und schädliche Produkte unterbunden werden“, erklärt Billen.