Gesundheitsexperte fordert klarere Zuzahlungsregelungen

Bei der Vorstellung einer neuen Studie in Berlin beklagte der Gesundheitsexperte und Leiter des Instituts für Gesundheits-System-Forschung (IGSF), Fritz Beske, die nahezu unübersehbaren Regelungen über Zuzahlungen in den gesetzlichen Krankenversicherungen und ihre Auswirkungen in Deutschland. Er bezeichnete den aktuellen Zustand als „Zuzahlungswirrwarr“ und forderte klarere Regelungen. Ständige Diskussionen um Ausnahmen und Härtefallregelungen würden das Arzt-Patienten-Verhältnis unnötig belasten und durch überschaubare Zuzahlungsregelungen würde auch überflüssige Bürokratie abgebaut werden.

Unter anderem forderte Beske die Abschaffung der Praxisgebühr, wie sie derzeit gültig ist. Er schlägt vor, erst ab dem 4. Arztbesuch im Quartal die Praxisgebühr zu erheben, dafür sollen bisherige Härtefallregelungen gestrichen werden. Die Zahlung ab dem 4. Arztbesuch soll vorläufig sein, Experten sollen konkret ermitteln, ab dem wievielten Arztbesuch die Gebühr am sinnvollsten erhoben werden kann.

Außerdem soll Beske zufolge die Belastungsgrenze für chronisch Kranke bei Zuzahlungen ausnahmslos auf 2% der jährlichen Bruttoeinnahmen angehoben werden (aktuell: 1%). Die Begrenzung der Zuzahlung bei stationären Behandlungen auf 28 Tage soll dagegen abgeschafft werden, während die Patienten bei Arzneimittelkosten eine höhere Selbstbeteiligung tragen sollen.

Laut Beske ist eine solidarisch finanzierte Gesundheitsversorgung zukünftig nur möglich, wenn alle Leistungen, die über die Grundversorgung hinausgehen, als Zusatzleistungen deklariert und privat finanziert werden.