125 Jahre Gesetzliche Krankenversicherung

In diesem Jahr feiert die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ihren 125. Geburtstag. Am 15. Juni 1883 verabschiedete der damalige Reichstag das „Gesetz betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter“. Hintergrund: Kanzler Otto von Bismarck wollte den zunehmend stärker werdenden Sozialdemokraten zuvorkommen und ihnen damit den Wind aus den Segeln nehmen. Der wichtigste Aspekt der Reform bestand darin, dass alle Arbeiter dazu verpflichtet waren, sich zu versichern und sich an den Kosten daran zu beteiligen. Damals betrug ihr Kostenanteil ein Drittel. Laut dem Brockhaus aus dem Jahr 1898 wurde mit diesen Beiträgen die ‚"Gewährung freier ärztlicher Behandlung und Arznei und unter Umständen Verpflegung im Krankenhaus" sowie das Krankengeld sichergestellt. Auch schon damals gab es erbitterten Streit über die Umsetzung der Versicherung. So weigerten sich die Arbeitgeber aus Angst vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber ausländischen Firmen, sich an den Versicherungskosten zu beteiligen.

Heute gehört die Krankenversicherung zu den Grundsäulen des Sozialstaates, allerdings sind die Ansprüche an sie mit der Zeit gewachsen. Ging es zu Bismarcks Zeiten nur um die Grundversorgung zum Erhalt der Arbeitskraft, wurde hieraus ein großer Wirtschaftszweig, in dem sich sowohl die Anzahl der Versicherten als auch die angebotenen Leistungen stetig vergrößert haben.

Der demographische Wandel spiegelt sich auch in der Entwicklung der Krankenversicherung wieder. Medizinischer Fortschritt und eine immer älter werdende Gesellschaft haben neue Fragen und Probleme in den Vordergrund gerückt, mit denen sich auch die Krankenversicherung beschäftigen muss. Diese betreffen z.B. das Ausmaß der medizinischen Grundversorgung oder der Kosten für die entsprechenden Leistungen. Eine der größten strukturellen Veränderungen in der Geschichte der Krankenversicherung ist die aktuelle Gesundheitsreform, in deren Zuge die finanzielle Selbstständigkeit der Krankenkassen auf ein Minimum reduziert wird. Ab dem 1. Januar 2009 sollen sie ihr Geld hauptsächlich vom Staat zugewiesen bekommen und den Wettbewerb über verschiedene Leistungsangebote fördern.