Mehr Zuzahlungen für Medikamente

Zukünftig soll die Zuzahlung neuer, teurerer Medikamente strenger überprüft werden, so dass sich Patienten auf mehr Zuzahlungen einstellen müssen. Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, erklärt, dass natürlich auch die herkömmlichen und günstigeren Arzneimittel, die womöglich leicht schlechter abschneiden, ausgewählt werden können. Nach dem Vorschlag für künftige Kosten-Nutzen-Bewertungen für Arzneimittel, das Sawackis Institut jetzt dem Gesetzgeber vorlegte, muss die gesetzliche Krankenversicherung nur dann die Kosten für neue Medikamente und Therapien voll übernehmen, wenn diese deutlich besser sind als herkömmliche Mittel.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) übte scharfe Kritik am Vorschlag Sawackis. Seine Umsetzung hätte zur Folge, dass nur Arzneimittel, die eine sofortige und erheblich bessere Wirksamkeit aufwiesen, noch anerkannt werden, während die Medikamente, die „hinsichtlich ihrer Wirksamkeit oder weniger Nebenwirkungen“ ebenfalls wichtig seien, nicht mehr erstattet werden würden. Florian Lanz, Sprecher des zuständigen Bundesverbands der Betriebskrankenkassen bewertet den Vorschlag „unter Vorbehalt“ positiv. Auch wenn es wichtig sei, die Kassenbudgets nicht mehr mit Schein-Innovationen zu belasten, so müsse die gute Patientenversorgung immer Vorrang haben.

Entscheiden sich die Hersteller dafür, die Preise der neuen, aber nicht deutlich wirksameren Mittel zu senken, dann könnten die Kassen auch die Kostenübernahme dieser Medikamente erwägen, so Sawackis Modell. In der Diskussion um die Medikamentenpreise werfen Kritiker der Pharmaindustrie vor, dass diese scheinbare Innovationen entwickelt, um so die Arzneikosten zulasten des Beitragszahlers zu erhöhen. Die Pharmaindustrie dagegen begründet ihre Preise z.B. mit den hohen Forschungsaufwendungen. Experten sehen kaum echte Innovationen in der Branche wie sie bei verbreiteten Volkskrankheiten nützlich wären, obwohl hier lukrative Patente winken. Leiden, die hauptsächlich in Entwicklungsländern verbreitet sind oder nur selten vorkommen, sind dagegen wenig lukrativ.