Mediation statt Klage – warum die Rechtsschutzversicherung nicht immer hilft

Recht zu haben und Recht zu bekommen, sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Das wissen alle Deutschen, die schon einmal Streit mit ihrem Nachbarn hatten. Sein Recht einklagen ist mitunter sehr teuer und das führt letztendlich dazu, dass immer mehr Menschen statt einer Klage auf die Mediation mit dem Nachbarn setzen. Diesen Trend beobachten die Rechtsschutzversicherungen schon eine Weile. Die Versicherungen sparen dadurch viel Geld und die Versicherten ersparen sich viele Enttäuschungen.

Das Kostenrisiko auffangen

„Rate von Prozessen ab. Überzeuge deine Nachbarn mit Kompromissen, wann immer möglich“, das empfahl ein berühmter Anwalt mit Namen Abraham Lincoln. Schon der spätere Präsident der USA hatte erkannt, dass eine Klage nicht in jedem Fall der richtige Weg ist, bisweilen ist ein klärendes Gespräch mit einem Mediator die bessere Idee. Jeder, der vor Gericht klagt oder verklagt wird, muss damit rechnen, den Prozess zu verlieren und das kann unter Umständen außerordentlich teuer sein. Dieses Kostenrisiko fangen die Rechtsschutzversicherungen auf. Leider ist eine Rechtsschutzversicherung eine komplexe Versicherung, bei der viele Fragen offen bleiben. Dazu kommt, dass sich viele Probleme nicht mit den Mitteln einer Rechtsschutzversicherung lösen lassen.

Eine komplexe Versicherung

Viele Menschen haben nur eine Rechtsschutzversicherung, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Immer häufiger entscheiden sich die Kontrahenten indessen für eine außergerichtliche Lösung und suchen eine Vermittlung, eine sogenannte Mediation. Dieser neue Trend, Konflikte durch einen Mediator und nicht durch einen Richter beilegen zu lassen, hat allerdings noch einen anderen Grund. Jede Versicherung zahlt nur, wenn tatsächlich ein Versicherungsfall vorliegt. Das klingt möglicherweise banal, aber es kommt deshalb immer wieder zu Streitigkeiten zwischen einer Rechtsschutzversicherung und ihren Kunden. So muss die Versicherung bereits laufen, wenn es zu einem Streitfall kommt, sonst gibt es keinen Versicherungsschutz. Das ist immer wieder ein Streitpunkt, wenn der Rechtsschutzfall vor dem Abschluss der Versicherung liegt.

Es nicht zum Prozess kommen lassen

Wenn ein Arbeitnehmer kündigt, und zwar aufgrund von Ereignissen, die bereits lange zurückliegen, wird die Versicherung wahrscheinlich nein sagen. Diese Ereignisse, die zur Kündigung geführt haben, lagen lange vor Abschluss der Rechtsschutzversicherung. Um den Streit hier nicht ausufern zu lassen, empfehlen Rechtsexperten eine Mediation. Meist einigen sich Versicherung und der Kunde auf einen gemeinsamen Nenner, ohne dass ein langwieriger und teurer Prozess geführt wird. Das Gleiche gilt ebenfalls, wenn die Versicherung erkennt, dass ein Rechtsstreit zu nichts führt und das Ende des Streits nicht in Sicht ist. Auch hier kann es helfen, mit einem Mediator zu sprechen. Die Gegner müssen im Anschluß nicht als die besten Freunde auseinandergehen, aber es reicht meist aus, um wieder friedlich zusammenzuleben.

Fazit

Die Deutschen haben den Ruf, für jede Kleinigkeit vor Gericht zu ziehen. Das stimmt so nicht, denn die Mehrheit versucht eine Lösung außerhalb des Gerichtssaals zu finden. Mediatoren oder Schiedsmänner, wie sie früher hießen, müssen immer öfter einen Streit schlichten. Zwar schließen die Deutschen nach wie vor gerne eine Rechtsschutzversicherung ab, aber im Ernstfall verlassen sie sich nicht unbedingt auf die Versicherung. Schlichten statt streiten ist heute im Trend und das freut die Versicherungen ebenso wie ihre Kunden.

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