Kommt bald die Alkoholfahrsperre für alle Neuwagen?

Die Zahlen sind erschreckend: Alleine 2017 kamen auf deutschen Straßen 231 Menschen bei alkoholbedingten Autounfällen ums Leben. Es gab laut Statistischem Bundesamt 4531 Schwerverletzte und 28.611 Verletzte in nur einem Jahr. Sie alle mussten unter der Unvernunft der Autofahrer leiden, die der Meinung sind, auch mit Alkohol im Blut noch fahrtüchtig zu sein. Jetzt möchten die Versicherungen etwas unternehmen. Es geht dabei jedoch nicht nur um die Vermeidung von Schäden, sondern um die hohen Personenschäden.

Die Technik soll helfen

Wenn der Mensch versagt, muss die Technik helfen. Daher fordert die Unfallforschung der Versicherer, den Einbau eines sogenannten „Alkolocks“ in alle Neuwagen zur Pflicht zu machen. Sollten sich die Versicherungen mit ihrer Forderung durchsetzen, kann kein Fahrer eines Neuwagens seinen Wagen starten, wenn er Alkohol getrunken hat. Jeder Wert, der über der 0,5 Promille-Grenze liegt, aktiviert ein Sperrsystem. Die Versicherungen gehen aber noch einen Schritt weiter. Sie wollen erreichen, dass das Fahren ohne das Sperrsystem unter Strafe gestellt wird. Die Versicherungen wollen Menschenleben retten und falls es eine Technik gibt, die das möglich macht, dann sollte sie auch zum Einsatz kommen.

Keine Neuheit mehr

Die Versicherungen sind nicht die Ersten, die auf die Technik durch die sogenannten „Alkolocks“ setzen. Auch die Bundesregierung hat in den Koalitionsvertrag geschrieben, dass sie durch „moderne, technische Hilfsmittel“, wie beispielsweise „Alkolocks“, Unfalltote vermeiden will. Wie das im Einzelnen aussieht, darüber steht im Koalitionsvertrag leider nichts. Auf einer Arbeitstagung in Goslar sollte die Frage nach der Zweckmäßigkeit des „Alkolocks“ zur Sprache kommen. Bislang sind jedoch noch keine konkreten Ergebnisse der Tagung, die im Januar 2019 stattfand, nach außen gedrungen. Ein Problem scheint es aber zu sein, sich zwischen den beiden Modellen des „Alkolocks“ zu entscheiden.

Zwei Möglichkeiten

Das Alkolock-System gibt es in zwei unterschiedlichen Modellen. Einmal die rein technische Vorrichtung, das „Alkohol-Interlock-System“ oder AI-System und zum anderen das „Alkohol-Interlock-Programm“ oder AI-Programm. Beide Modelle sind gut realisierbare technische Lösungen. Beim AI-System wird der Alkoholgehalt im Blut gemessen. Ist der Grenzwert von 0,5 Promille überschritten, verhindert das System, dass der Fahrer den Motor startet. Dieses System gibt es auch auf Wunsch mit einer Gesichtserkennung. Der Nachteil beim AI-System besteht darin, dass es das Starten des Motors nur in einer akuten Situation verhindert. Der betrunkene Fahrer hat so die Möglichkeit, auf ein Auto ohne AI-System umzusteigen. Allerdings ist diese Möglichkeit eher unwahrscheinlich, denn kaum jemand besitzt mehrere Autos, die spontan zur Verfügung stehen.

Die Preise steigen

Wenn die Hersteller alle Neuwagen mit einem „Alkolock“ ausstatten, wie die Versicherungen es verlangen, treibt das natürlich die Preise nach oben. Das Gleiche gilt auch für die Nachrüstung, denn wenn ältere Autos nachträglich einen „Alkolock“ bekommen, wird das teuer.

Fazit

Aus Sicht der Versicherungen haben sie schon viel erreicht. Es gibt mittlerweile einen Gurtwarner, einen Warner, wenn der Fahrer die Spur verlässt und auch einen Notbremsassistenten. Die Technik, die das Autofahren sicherer machen soll, existiert schon, sie muss nur zum Tragen kommen. Das gilt auch für ein Gerät, was einen betrunkenen Autofahrer daran hindert, sich hinter das Steuer zu setzen und leichtfertig Menschenleben aufs Spiel zu setzen.

Bild: @ depositphotos.com / fermate

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